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Interview mit Marcus Hartmann: Der Reiz am Wettkampf-Fliegen

Vereinspilot Marcus Hartmann ist schon seit vielen Jahren auch bei Gleitschirm-Wettbewerben aktiv.

In einem Interview mit dem Gleitschirm-Onlinemagazin (GOM) berichtet Marcus über die Wettkampfszene und gibt Tipps für Pilot/innen mit Wettkampfambitionen:

GOM: Hallo Marcus, vielen Dank, dass du uns einen Einblick ins Wettkampffliegen gibst. Vorab die Frage: Welche Arten von Wettbewerben gibt es beim Gleitschirmfliegen denn überhaupt?

Marcus: Da gibt es zum Beispiel zentrale Wettbewerbe: Fliegen von einer vorgegebenen Strecke auf Zeit z.B. Hessenmeisterschaft, Deutsche Meisterschaft… Diese Wettbewerbe dauern meist 3-5 Tage.

Daneben werden auch dezentrale Wettbewerbe durchgeführt, wie zum Beispiel die Streckenflugmeisterschaften wie DHV-XC oder der XC-Cup.
Ziel ist hierbei, eine möglichst weite Strecken entweder one-way, als Flaches Dreieck oder in der Königsdisziplin FAI-Dreiecke (Gleichseitige Dreiecke) zu erfliegen. Die Wertung geht in der Regel über das ganze Jahr. Hier gibt es unterschiedlichen Wertungsklassen bzgl. Region und Schirmkategorie.

Eine weitere Variante sind Hike & Fly-Wettbewerbe: Laufen und fliegen einer bestimmten Strecke auf Zeit.

Besonders publikumswirksam sind Akro (Kunstflug-) Wettbewerbe und natürlich Punktlande-Wettbewerbe (Accuracy). Die Wasserkuppe war ja schon mehrfach Austragungsort der Accuracy-Weltmeisterschaften.

GOM: Zurück zum Streckenflug: Welche Voraussetzungen muss ich, welche sollte ich erfüllen?

Marcus: Voraussetzung ist die B-Lizenz (Überlandflugerlaubnis). Oft gibt es auch eigene Wertungen für verschiedene Klassen (EN-A/EN-B und höher klassifizierte Schirme).

GOM: Wieviel Erfahrung sollte ich mindestens mitbringen?

Marcus: Wer Wettkampf fliegen möchte, sollte natürlich sein Fluggerät auch in der Thermik sicher beherrschen und selbständig sicher starten und landen können. Auch mit dem Thema Streckenplanung und mit seiner Flugelektronik, speziell mit dem GPS sollte man sich im Vorfeld schon mal etwas auseinander setzen.

GOM: Wie erfolgt die Dokumentierung, was brauche ich an Flugelektronik?

Marcus: Man benötigt ein GPS mit Trackingfunktion zur Navigation und Dokumentation sowie für Informationen über Höhe, Geschwindigkeit etc.

Hilfreich ist natürlich auch ein Vario zum besseren Zentrieren der Thermik. In bestimmten Fluggebieten sind außerdem Funk und/oder ein FLARM-fähiges Gerät vorgeschrieben.

GOM: Kann ich auch mit einem EN-A/EN-B-Schirm Wettkampf fliegen?

Marcus: Ja, auf jeden Fall! Man sollte sein Gerät gut kennen und intuitiv bedienen können, dann hat man den Kopf frei und kann sich auf die Umgebung konzentrieren. Dann fliegt man eher besser, als wenn zu viel Aufmerksamkeit dem Schirm gewidmet werden muss.

GOM: Welchen Wettbewerb empfiehlst du für Einsteiger?

Marcus: Geeignet für Einsteiger sind zum Beispiel der DHV-XC, Vereinsmeisterschaften oder auch z.B. die Nova-Team-Challenge. Ich empfehle, die Wettkampffliegerei entspannt anzugehen, erstmal nach dem Motto: Dabeisein ist alles.

GOM: Gibt es Coronabedingte Änderungen bei der Durchführung?

Marcus: Natürlich sollte man sich an die örtlich bestehenden Corona- Regeln halten. Dies lockert sich ja zum Glück zur Zeit. Zu den Zeiten der stärkeren Restriktionen war z.B. Hike & Fly ideal, ein kleines Dreieck oder ein Ziel-Rück-Flug… Die dezentralen Wettbewerbe waren hier kaum eingeschränkt.

GOM: Wie unterstützt der RDG Wettkampfpiloten?

Marcus: Hier gibt es WhatsApp-Gruppen, in denen Informationen ausgetauscht und Fahrdienste organisiert werden. Außerdem können Vereinspiloten, die für den RDG e.V. an Wettkämpfen teilnehmen, eine Erstattung von Fahrtkosten, Teilnahmegebühren und Spesen beantragen.

Nicht zu vergessen sind auch die Vereinsmeisterschaft “Rhön Open” und natürlich der jährliche Saisonabschluss mit traditioneller XC-Party.

GOM: Was macht für dich persönlich den Reiz des (Wettkampf)-Flugsportes aus?

Marcus: Ich persönlich bevorzuge Streckenfliegen. Hier kann man sich die Tage, an denen man fliegt selbst aussuchen und so die Flugdauer an seine Bedürfnisse anpassen. Der Reiz ist es immer, Neues zu erlernen und zu erleben. Nicht nur in der Luft, sondern auch das Erlebnis der Rückreise gehört für mich zum Streckenfliegen dazu! Egal ob 15 oder150 km…

GOM: Was war dein persönliches Wettkampf-Highlight bisher?

Marcus: In erster Linie viele schöne Erlebnisse… Fliegen mit Freunden! Teilweise mit Strecken von mehr als 100 km und dann gemeinsam mit dem Zug zurück und mit einem Landebier nochmal gemeinsam das Erlebte Revue passieren lassen 😊. Dazwischen konnte ich auch zweimal den Hessen-Cup gewinnen.

GOM: Lieber Marcus, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für deine nächsten fliegerischen Vorhaben!