Offener Brief: Fliegen an der Wasserkuppe

Dies ist ein offener Brief des Vorstandes der Rhöner- Drachen- und Gleitschirmflieger Poppenhausen (Wasserkuppe) e.V. und der Rhöner Drachen- und Gleitschirmflugschulen Wasserkuppe GmbH.

über der Wasserkuppe...

Liebe Pilotinnen und Piloten,

erstmals seit Beginn des Drachen- und Gleitschirmfliegens in den 1970er Jahren war im Mai Gastfliegen aus epidemiologischen Gründen an der Wasserkuppe ausgesetzt. Dennoch fanden sich sehr viele Piloten ein. Der Verein verzeichnete zahlreiche Neumitglieder.

So erfreulich die Entwicklung nach den Wochen des Lockdowns war, so kritisch verlief, zumindest teilweise, der Flugbetrieb. Während die erfahrenen Rhöner, viele mit weit mehr als 1000 Flugstunden, sehr gut und diszipliniert ihre Thermiken und sogar weite Steckenflüge geflogen haben, zeigte sich in der Schirmkategorie EN-B , dass nicht alle Piloten das erforderliche fliegerische Geschick für ihr Gerät in Verbindung mit thermischen Bedingungen in den Mittagsstunden mitbringen.

Es kam zu einigen Zwischenfällen mit sehr aufwendigen und medienwirksamen Baumbergungen. An allen 7 Wochenenden nach dem Lockdown waren mehr Piloten mit deutlicher Überhöhung über dem Berg unterwegs, als Gleitschirme online angezeigt wurden. In einem Fall kam es zu einem Überflug der Winde der Segelflieger während deren Schleppbetriebes.

Auf der Wasserkuppe fliegen Segel-, Motor-, Modell-, Drachen- und Gleitschirmpiloten zusammen in einem Luftraum, der zwar viel Platz bietet, aber dennoch nicht frei von absoluten Sperrzonen ist.

Nach ausführlicher Recherche im Verein ist klar, dass der gefährlich in den Luftraum der Winde der Segelflieger einfliegende Pilot ein Gast oder ein Neumitglied war, welches offensichtlich die lebensnotwendige Wichtigkeit der Regeln des gemeinsamen Fliegens unterschätzt hat.

  • Das Mitführen eines eingeschalteten FLARM® mit eingetragener ID ist für alle freien Flüge an der Wasserkuppe während der Öffnungszeit des Segelflugplatzes in der Sommersaison Pflicht.
  • Alle Piloten müssen über ein PMR-Funkgerät auf dem Kanal 6.37 hörbereit sein, damit der Startleiter zusätzich die Möglichkeit hat, für den Flugbetrieb relevante Informationen jederzeit vermitteln zu können.
  • Alle Gäste und Neumitglieder, sowie auch alle Stammpiloten dürfen den Flugbetrieb nur aufnehmen, wenn der hauptberufliche Startstellenleiter des RDG e.V. am Startplatz anwesend ist und den Flugbetrieb angemeldet hat.
  • Startfreigaben gibt es erst nach Unterschrift der Kenntnisnahme der Flugbetriebsordnung Waku in der jeweiligen Fassung unter Berücksichtigung der jeweils an diesem Tag geltenden Besonderheiten, wie beispielsweise Windenschlepp oder Modellflug sowie FLARM- und Funkcheck.
  • Drehrichtung im Pulk vor dem Start ist jeweils rechts herum.
  • In den Mittagsstunden behalten sich der Startstellenleiter im Dialog mit Fluglehrern und ausgewählten erfahrenen Piloten vor, bei turbulenter Überlagerung eines Druckgradientwindes mit Thermiken das Fenster nur für B-Schein-Piloten offen zu halten bzw. für Anfänger aus Sicherheitsgründen zu schließen. In diesen Phasen soll das Groundhandling ausdrücklich möglich bleiben, sofern es auch dafür die Bedingungen zulassen.
  • Gäste bekommen für ihre Gastgebühr den 32seitigen Geländeflyer der Rhön.

Freies Fliegen ist ein anspruchsvoller Sport, der viel mentale, theoretische und flugpraktische Auseinandersetzung erfordert. So schön die ersten Kreise in den sanften Thermiken der Frühstunden sind, so anspruchsvoll können sie ohne das nötige Wissen schnell werden. Die Wasserkuppe ist ein Glücksfall für den Flugsport - und gleichzeitig kein autodidaktisches Experimentalgelände nach dem Motto: "...einfach mal probieren..."

Flüge in den thermischen Mittagsstunden sind den Könnern vorbehalten. Gelegenheitspiloten können in dieser Zeit Groundhandling trainieren oder sich fluglehrerbegleiteten Gruppen für A-Lizenzinhaber anschließen.

Zusammenfassung

Voraussetzungen zum Fliegen an der Wasserkuppe sind:

  • umfassende und mit Unterschrift bestätigte Kenntnisnahme der aktuellen Flugbetriebsordnung (FBO) Waku und deren Einhaltung
  • Anwesenheit des Startleiters
  • PMR-Funk und Funkcheck vor dem Start (6.37)
  • FLARM-Pflicht mit Online-ID
  • An manchen thermischen Tagen in der Mittagszeit: B-Lizenz

Wir machen darauf aufmerksam, dass diese Regeln ab sofort und für alle gelten.

Zur Pflege des guten Miteinanders aller Flugsportler und im Interesse eines sicheren Flugsportes für alle bitten wir unbedingt darum, diese Regeln einzuhalten. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Wir freuen uns auf kollegiales Miteinander.

Mit herzlichen Grüßen,

Vorstand RDG e.V.
Papillon-Flugschulen Wasserkuppe

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